Entwurf für eine Flughafentapete
Creischer, Alice
Der Entwurf für eine Flughafentapete zeigt die Oberkörper zweier Personen – oder vielmehr einer Person, die doppelt dargestellt ist. Es ist Alice Creischer selbst, die hier die Arme hebt, als würde sie einen imaginären Auftrieb suchen. Die Figur erscheint zugleich ernst und leicht, als wollte sie die Schwerkraft kurz vergessen machen. Die Arbeit entstand 1991 im Rahmen einer Beschäftigung mit Flugzeugen und Flughäfen. Für Privatpersonen war das Flugzeug kein alltägliches Fortbewegungsmittel, sondern eher die Ausnahme für eine Fernreise. Fliegen also um Fernweh zu stillen, aber auch Anmaßung: so viel schweres Metall, so viel Energie, nur um sich für ein paar Stunden in die Luft zu erheben.
Creischer stellte sich eine Tapete vor, die die Wände einer Flughafenhalle schmücken könnte: ein Muster aus fliegenden, erhobenen Körpern, das den Traum vom leichten Flug mit der realen Schwere des Reisens kontrastiert. Vor dem Hintergrund der technischen, sozialen und ökologischen Bedingungen eines Flughafens – als Ort der Zirkulation von Menschen, Waren und Kapital – wird Creischers Geste der Leichtigkeit auch als Kritik lesbar: als Sinnbild für die privilegierte Bewegungsfreiheit, ebenso wie für die boomenden neoliberalen Strukturen der 1990er Jahre, die Auftrieb versprachen und gleichzeitig Ausnutzung mit sich brachten.
In ihrer künstlerischen Praxis beschäftigt sich Alice Creischer mit Themen von Macht und Machtlosigkeit, Geld und Wirtschaft und setzt diese in Bezug zu historischen Kontexten. Auch Creischers Arbeit Proudhon, die Gesellschaft des 10. Dezember und der Club der faulen Debitoren, die 2025 in der Gruppenausstellung Unter dem Gewicht atmest du anders. Schuld und Haben zu sehen war, beschäftigt sich mit Kräfteverhältnissen, Utopien und Vereinnahmung.